Geschichte des Barbarafriedhofs

Im Jahr 1286 - zehn Jahre, nachdem Linz habsburgisch wurde – wurde aufgrund eines Erlasses Herzog Albrechts I der Friedhof beim Linzer Schloss im Zusammenhang mit der Verlegung der Pfarre von der St. Gangolfkapelle in die heutige Stadtpfarrkirche geschlossen und rund um die Stadtpfarrkirche neu angelegt. Der Friedhof bei der Gangolfkapelle/Schloss wurde 1493 auf Weisung Kaiser Friedrich III abgetragen und die Gebeine im Friedhof beim Spital beigesetzt.

 

Der Friedhof bei der Stadtpfarrkirche diente zwar nur von 1286 bis 1541 als Begräbnisstätte, bestand jedoch noch bis 1785. Erst 1872 wurde er endgültig abgegraben, um die Kirche herum entstand der heutige Pfarrplatz.

 

Der Friedhof beim Heiligen-Geist-Spital im heutigen Bereich Landstraße/Bethlehemstraße/Spittelwiese bestand seit dem 14. Jahrhundert als Friedhof „für die armen Leute“. Durch Grundzukauf wurde er zu einer „allgemeinen Sepultur Armer und Reicher“ erweitert. Doch leider erwies sich auch diese Erweiterung nach 50 Jahren als unzulänglich. Die verheerenden Pestseuchen im 16. Jahrhundert bewirkten wiederholt Friedhoferweiterungen und –verlegungen. So auch in diesem Fall. Gemäß einem Beschluss aus dem Jahr 1570 wurde der Friedhof 1573 erneut verlegt.

 

Der alte St. Barbara-Gottesacker wurde in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts dort angelegt, wo sich heute Landstraße, Rudigierstraße, Seilerstätte und Langgasse befinden, dazumals im Volksmund als „Geisterburg“ bekannt. Im Jahr 1658 wurde auf diesem Friedhofsareal eine der Hl. Barbara geweihte Kapelle errichtet, die als Friedhofskirche dem Gottesacker seinen bis heute bestehenden Namen gab.

 

Im Jahr 1784 bestimmte Kaiser Joseph II mittels zweiter Hofdekrete (vom 23.8. und 13.9.1784) die generelle Verlegung von Friedhöfen aus den Innenstädten in das Umland. „Von nun an sollen alle Gruften, Kirchhöfe und Gottesäcker, die sich inner dem Umfang der Ortschaften befinden, geschlossen und anstatt solcher die außer den Ortschaften in einer angemessenen Entfernung ausgewählt werden.“ Gemäß kaiserlichem Erlass vom 3.7.1786, Z. 2070, wurden der Friedhof und die Kapelle profaniert (entweiht), geschlossen und veräußert und die Verlegung des St. Barbara-Friedhofes an seinen jetzigen Standort verfügt. Der Name des Friedhofes wurde beibehalten.

 

Zur Errichtung des heutigen Barbarafriedhofes wurde 1786 von Maria Elisabeth von Steyrer der sogenannte Rapplhof samt dem mit einer Mauer umgebenen Garten mit einer Gesamtfläche von ca. 16.800 m² angekauft. Über die Jahre hinweg wuchs der Barbarafriedhof konstant. 1797 bis 1976 wurden laufend Flächen für weitere Sektionen zugekauft, wie zum Beispiel 1911 das Gelände westlich der Dinghoferstraße (Entwicklung Barbarafriedhof). Der israelitische Friedhof wurde 1862-1863 angelegt, durch spätere Erweiterungen des katholischen Friedhofes befindet er sich nun innerhalb des Areals des Barbarafriedhofes. Er wird von der Israelitischen Kultusgemeinde Linz verwaltet.

 

Nach jahrzehntelangen Diskussionen über eine Verlegung, eine Durchschneidung durch eine weitere Straße, und manch anderem überwundenen Hindernis hat der Barbarafriedhof nun seinen festen Platz in der Stadt Linz gefunden. Er befindet sich in Eigentum und unter Verwaltung der St. Barbara Gottesackerstiftung, die wiederum der Stadtpfarre Linz zugeordnet ist.

 

Am Barbarafriedhof, einem der ältesten Friedhöfe des Landes findet man auf einer Fläche von 12 Hektar mehr als 20.000 Gräber, von denen viele berühmte Namen tragen. Der bekannteste ist wohl Adalbert Stifter, der große Dichter, der zusammen mit seiner Gattin Amalie auf dem Barbarafriedhof seine letzte Ruhe fand.

 

kreuz_klAber auch die Schriftstellerin Enrica von Handel-Mazzetti, der Forscher, Ethnograph und Ornithologe Andreas Reischek, der Schriftsteller Arthur Fischer-Colbrie, der Jurist und Politiker Dr. Heinrich Gleißner und viele andere berühmte Namen locken die Besucher zu einem Rundgang auf dem Barbarafriedhof.

 

Weitere Anziehungspunkte für die vielen Touristen, die den Barbarafriedhof alljährlich besuchen, sind die 2002 wieder errichtete Auferstehungskapelle und der moderne Kreuzweg von Professor Ruedi Arnold aus dem Jahr 2008.

 

Die Auferstehungskapelle

ak_kl2Aus dem Jahr 1742 stammt der erste Nachweis der sogenannten Auferstehungskapelle an der Straßenkreuzung Friedhofstraße/Dinghoferstraße. Es handelt sich um eine Lithographie der „Kapelle an der Weggabelung von Linz nach Zizlau und St. Peter“.

 

1915 wanderte das kleine Gotteshaus in die Mozartstraße und wurde 1956 abgerissen. Im Jahr 2002 - fast fünfzig Jahre nach ihrem Abriss - nutzte der Stiftungsrat des Barbarafriedhofs die Möglichkeit, die beinah vergessene Kapelle an der Stelle eines alten Blumenkiosks wieder zu errichten. Die Auferstehungskapelle wurde nach alten Plänen und Fotos fast auf ihrem ursprünglichen Standort wieder erbaut. Im Oktober 2002 wurde das barocke Schmuckstück von Generalvikar Josef Ahammer im Beisein von Reinhold Kern, Pfarrer der Stadtpfarre Linz, gesegnet und erinnert ihre Besucher nun wie in früheren Zeiten an die Verheißung der Auferstehung.

 

Kreuzweg auf dem Barbarafriedhof

Die  Ausgesetztheit  des  Menschen  im  Leid

 

kreuz005_klDie 14 Kreuzwegstationen erheben sich in der Mitte des Friedhofs von Abteilung 13 bis Abteilung 26, jeweils alternierend links und rechts vom Weg auf Granitsäulen.

 

Den Beginn des Weges kennzeichnet eine Bronzetafel mit der Aufschrift: "Der Kreuzweg mit 14 Stationen ist eine Nachbildung der "Via Dolorosa" in Jerusalem. Wir gehen mit Jesus durch Leiden, Kreuz und Tod hin zur Auferstehung."

 

Die figurale Darstellung der 14 Stationen ist auf einer horizontalen Ebene platziert, die sich über jener der letzten Ruhestätten ausbreitet. Über den Säulen aus Waldviertler Granit gestaltete Ruedi Arnold auf einer kleinen Plattform einen Handlungsraum, der von jeder Perspektive einsichtig über den Köpfen der Friedhofsbesucher liegt.

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