„Mit seinem alten Baumbestand, dessen Wurzeln buchstäblich bis an die Anfänge des St. Barbara Friedhofs reichen, beruft sich der Trend zum Naturnahen auf eine gewisse Tradition.Wir freuen uns sehr, dass der kirchlich-ökumenische Umweltpreis würdigt, dass wir Verantwortung für künftige Generationen übernehmen und uns intensiv engagieren, die Naturoase mitten in der Stadt zu erhalten und ‚klimafit‘ zu machen“, sagt Friedhofsverwalter Clemens Frauscher.
Vielfältiges Biotop
Durch naturnahe Bewirtschaftung, Aufforstung und sanftes Wildtiermanagement hat sich das Areal des
St. Barbara Friedhofs zu einem vielfältigen Biotop entwickelt. Landschaftsgärtnermeister Stefan Oberklammer betreut rund 1.200 Bäumen, 750 Sträuchern und 800 Laufmeter Hecken. Alte Baumbestände werden regelmäßig kontrolliert. „Muss ein Baum gefällt werden, wird zumindest ein neuer gepflanzt“, erklärt Oberklammer. Wegen zunehmender Trockenheit setzt man auf klimaresistente, heimische Arten.
Die Artenvielfalt ist beeindruckend: Igel finden in eigens angelegten Haufen Unterschlupf, zahlreiche Bienenstöcke werden von einer Imkerin betreut, brachliegende Flächen in Blumenwiesen verwandelt. Etwa 27 Vogelarten nisten auf dem Gelände, unterstützt durch 120 Brutkästen. Auf chemische Unkrautvernichter wird verzichtet, wodurch Insekten und Vögel ausreichend Nahrung finden. Nachts bleibt der Friedhof dunkel und geschlossen – als Ruhezeit für Tiere.
Naherholungsgebiet mitten in der Stadt
Neben seiner ökologischen Bedeutung dient der Friedhof auch als Naherholungsgebiet mit Sitzgelegenheiten und Schattenplätzen. Nachhaltigkeit zeigt sich auch in der Energieversorgung: Drei Photovoltaikanlagen decken seit 2023 den Eigenbedarf und speisen Überschüsse ins Netz. Fahrzeuge und Arbeitsgeräte werden elektrisch betrieben.
Naturnahe Bestattung und Vermittlung
Als „Waldfriedhof“ bietet der St. Barbara Friedhof verschiedene naturnahe Bestattungsformen, darunter Baumurnengräber und den 2020 eröffneten Apfelbaum-Urnengarten des Künstlers Arnold Reinthaler.
Bei Veranstaltungen, Führungen und Vogelbeobachtungen wird die Verbindung von Natur, Nachhaltigkeit und Erinnerung für Besucher:innen erlebbar.
So steht heuer am Fr., 8. Mai 2026 um 14 Uhr eine Führung zu den 1.200 Bäumen am Programm. Landschaftsgärtnermeister Stefan Oberklammer berichtet dabei auch, was getan wird, um als Friedhof mit dem auch in Linz schon spürbaren Klimawandel umzugehen.
Feier in St. Pölten
Die feierliche Übergabe des Preises erfolgte am 16. Jänner 2026 in St. Pölten. Als erste Gratulant:innen stellten sich der St. Pöltner Bischof Alois Schwarz - in der Bischofskonferenz zuständig für Umweltthemen - und die neue evangelische Bischöfin Cornelia Richter ein.
Der kirchliche Umweltpreis zeige, so Bischof Schwarz, "wie viel Hoffnung und Tatkraft in unseren Pfarren, Orden und kirchlichen Einrichtungen steckt". Bischöfin Richter betonte, dass der Umweltpreis "neues, kreatives Denken und Handeln" unterstütze. Es brauche möglichst viele Menschen, "die sich trauen, anders zu denken, neue Wege auszuprobieren, die Dinge anders zu machen als bisher". Richter weiter: "Von den ersten Seiten der Bibel an ist uns die Verantwortung für die Schöpfung übergeben. Wir sind es, die sie in ihrer gesamten Schönheit zu bewahren haben." Vieles davon sei bereits aufs Spiel gesetzt, vieles sei durch die menschliche Gier nach immer mehr Wachstum bereits verloren. Umso wichtiger sei es, "unserer Verantwortung in ökumenischer Gemeinschaft nachzukommen".
Der kirchlich-ökumenische Preis wird von den katholischen und evangelischen Umweltbeauftragten gemeinsam mit den Ordensgemeinschaften und der Fachstelle "Überdiözesane Umweltarbeit der katholischen Kirche in Österreich" alle zwei Jahre vergeben.



